Stel je wordt maar Twenty-Three

Was, wenn du nur Dreiundzwanzig wirst?

Vielleicht hast du dir schon einmal gedacht, wenn du meinen Barbershop auf Google gesucht hast: Woher kommt dieser Name eigentlich? Vielleicht hast du danach die Adresse gelesen: Hofbergen 23 und die Verbindung zur Hausnummer hergestellt. Doch es steckt noch eine andere Geschichte dahinter. Als dieser Barbier vor 28 Jahren geboren wurde, sollte er nämlich höchstens 23 Jahre alt werden.

Dann höre ich dich denken, er hält es schon 5 Jahre länger aus. Das stimmt! Die Gesundheitsversorgung hat sich stark entwickelt, und das merke ich sehr deutlich! Einige von euch haben die Veränderung im vergangenen Januar sicher bemerkt. Im ersten halben Jahr meines eigenen Unternehmens hustete ich ziemlich viel (kein Coronahusten) und war oft kurzatmig. Das liegt an meiner zystischen Fibrose. Kurz gesagt: Zystische Fibrose (CF) ist auch als Mukoviszidose bekannt. Es ist eine erbliche und leider unheilbare Krankheit. Durch einen Fehler in der DNA produziert mein Körper zähen Schleim, wodurch Bakterien und andere Übel die Möglichkeit haben, sich festzusetzen. Ich leide darunter unter Atemnot, Husten und Darmbeschwerden. Zu Beginn meines Unternehmens betrug mein Lungenvolumen 24/25 Prozent. Bei einem gesunden Menschen liegt es zwischen 80/100 Prozent. CF ist eine progressive Krankheit. Das bedeutet, dass es immer etwas schlechter wird, egal was man tut: viel Sport treiben oder therapietreu sein.

Der „Vorteil“ des langsamen Verschlechterungsprozesses ist, dass man sich daran gewöhnen kann. Irgendwann geht Skifahren nicht mehr. Das ist schade, aber man genießt vom Seitenrand aus seine Familie oder Freunde, die Spaß daran haben. Radfahren wird schwierig, gleichzeitig telefonieren und gehen wird schwieriger, aber man findet überall einen Weg. Glücklicherweise konnte ich immer Haare schneiden, es ist körperlich anstrengend, aber es gibt mir so einen Schub!

Schon länger hoffte ich auf die neuen Medikamente. Diese würden zum ersten Mal in der Geschichte dieser Krankheit nicht die Symptome bekämpfen, sondern wirklich die Ursache. Das schlechte Gen wieder funktionstüchtig machen. Im vergangenen Januar bekam ich endlich die Medikamente, auf die ich so lange gewartet hatte. Sie brachten mir eine enorme Verbesserung. Von 24/25 Prozent bin ich jetzt fast bei 50 %!

Eine schönere Kindheit hätte ich mir nicht vorstellen können. Sorglos wuchs ich im Haus neben dem Barbershop auf. Meine Mutter, die meine 25 Pillen pro Tag bereitstellte, mein Vater, der mich zur Schule brachte. Manchmal war es ein bisschen knapp, aber ich habe mich nie als krankes Kind gefühlt. Einen Moment, der mit der Zahl 23 zusammenhängt, kann ich mich noch sehr gut erinnern: Es gab diese dicken neuen Schrankcomputer in unserer Grundschule. Ich war 9/10 Jahre alt, ich googelte einmal, was Mukoviszidose eigentlich war. Da sah ich groß im Bild die erwartete Lebenszeit von 23 Jahren, obwohl diese damals 30/40 betrug. Wahrscheinlich war dies ein Artikel über einen früh verstorbenen „CF-Betroffenen“. Das hat mich damals so überrumpelt, dass ich sogar von der Schule abgeholt wurde. In der Pubertät fand ich es schwierig. Ich verstand nicht, warum gerade ich das hatte, und ich sträubte mich sehr dagegen. Immer häufiger kam die Zahl 23 zurück. Wir mieteten ein Ferienhaus auf Terschelling, Hausnummer 23. Mein erstes Auto, 23 im Kennzeichen. Wir wohnten die ganze Zeit schon in Hofbergen 23. Überall um mich herum kam die Nummer zurück. Sollte ich etwas damit anfangen?

Arbeiten und Unternehmertum wurden mir schon früh beigebracht. Es war also nicht die Frage ob, sondern wann ich mich selbstständig machen würde. Natürlich ist das für einen chronisch Kranken, der jedes Jahr mindestens 4 Wochen wegen der „normalen“ Grippe oder Erkältung ausfällt, nicht sehr klug. Aber es war und ist mein Traum, ein eigenes Unternehmen zu haben.

Nach 4 Jahren Erfahrung als Barbier machte ich mich selbstständig. Ich lernte das Handwerk bei der Barberstation in Arnhem. Danach arbeitete ich noch für van de Hare Barbers in Amsterdam, beim Barbier in Breukelen und natürlich 2 Jahre in Vietnam bei House of Barbaard. Ich bin nach Vietnam gegangen, ohne zu sagen, dass ich CF habe. Ich hatte in Bezug auf die Arbeit inzwischen einiges an Diskriminierung erlebt und beschloss, mich zu trauen und meine Krankheit nicht zu erwähnen. Das hat sich für mich so gut ausgezahlt. Ich war dort Sjoerd, zum ersten Mal ich selbst ohne Krankheit. Nach einem halben Jahr erzählte ich es aus praktischen Gründen doch. Ich inhalierte damals noch regelmäßig mit einem Gerät, und wir gingen auf einem Festival zelten, das ging natürlich nicht in einem Zelt. CF war nach dem Erzählen ein Teil von mir, eine Nebensache. Ich fühlte mich zum ersten Mal als Sjoerd und nicht als Patient. Das hat mir den letzten Anstoß gegeben, mein Unternehmen zu gründen.

Corona kam und ich konnte nicht viel. Solange es noch ein unbekanntes Virus war, musste ich drinnen bleiben. Anfang 2021 kam ich wieder aus meiner Corona-Isolation. Ich hätte mich wieder bei einem Barbier bewerben können, aber ich tat eigentlich das Dümmste, was ich tun konnte (was ich mag), ich machte mich selbstständig. Mein Unternehmen musste natürlich heißen: Twenty-Three Barbershop!

Twenty-Three steht für 1 zu 1 Aufmerksamkeit, Humor und Qualität. Ein Ort für eine Geschichte oder einfach ein Bier und einen guten Haarschnitt. Jeder ist immer und so oft er will willkommen. Du bekommst natürlich ein gutes Produkt, einen Haarschnitt, deinen Bart sauber oder eine Bestellung über den Webshop. Nur, ich mache alles, wie ich es will. Etwas anders als andere, so wie ich selbst auch ein bisschen bin.

Twenty-Three ist nicht mein Unternehmen. Es ist mein Traum.

 

 

Auf dem Bild siehst du, wie ich meine erste hohe Lungenfunktion nach Einnahme der neuen Medikamente blies.
Barbers