Herman Servaas

Herman Servaas

In meinem ersten Blog schrieb ich über das Friseurteam, die niederländische Nationalmannschaft der Friseure. Als ich mit diesem wunderschönen Beruf anfing, wusste ich noch nicht, was das war. Das und noch viel mehr lernte ich von Herman Servaas.

Frisch von der Ausbildung schnitt ich in meinem Schuppen zu Hause. Meine Mutter ging damals zu Servaas nach Utrecht. Dort arbeitete ein Herrenfriseur, der im Alter von 85 Jahren dienstags noch tätig war. Ja, das lesen Sie richtig. Dahin musste ich, das musste ich sehen. Ich rief Marjon Servaas, seine Tochter, an und fragte, ob ich ihren Vater dienstags begleiten dürfte. Zwei Wochen später kam ich an und durfte Herman kennenlernen.

Herr Servaas stellte sich als jemand heraus, den es kein zweites Mal gab. Das Herr wurde übrigens sofort über Bord geworfen. „Ich bin noch so jung, wie ich aussehe“, sagte er, „Herman für dich, Junge“.

Schnell wurde ich in das alte Barbierhandwerk eingetaucht. Ein wiederkehrendes Thema für die nächsten 4 Monate, das übrigens schon 2 Minuten nach unserem Treffen herausgeholt wurde, war das Fotoalbum mit all den alten Fachfotos. Dies war ein großes rotes Album mit Zeitungsartikeln und Fotos, in dem Herman seine lange Karriere als Herrenfriseur detailliert chronologisch aufgeklebt hatte.

Herman hat verschiedene Preise gewonnen. Er wurde niederländischer Meister und erhielt die goldene Schere, die von seinem Enkel Jurren van der Gun überreicht wurde. Er war Juror bei Friseurwettbewerben in ganz Europa. Außerdem war er Prüfer an der Friseurfachschule. Von dort stammen die schönsten Anekdoten über bekannte Friseure, die ihre Prüfungen, nachdem sie 5 Mal durchgefallen waren, doch noch mit einer Kiste Bier erkauften.

Herman hat mich nach meiner Zeit bei Servaas immer besucht. In Breukelen, Amsterdam, wo sein ehemaliger Kollege Wout van de Hare noch arbeitete, und sogar in Den Haag, als ich im Krankenhaus lag. Immer mit der roten Clownsnase dabei. Bei einem Bier auf der Terrasse ließen wir die Tage ausklingen.

Man kann in der Schule viel lernen, aber noch mehr in der Praxis. Herman lehrte mich, in der Barbershop keine feste politische oder religiöse Meinung zu haben. „So bleibst du für jeden interessant, Sjoerd.“ Das sind Dinge, die man in seinem Barbierkurs nicht lernt.

Herr Servaas ist am 25. Juni im Alter von 89 Jahren verstorben.

Ein wunderbarer, besonderer Mann.

Barbers